|
JPAGE_CURRENT_OF_TOTAL 
Meine Damen und Herren, liebe Freunde Bulgariens, liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen, Ich möchte Sie im Namen des Gründungskomitees herzlich zu der Gründungsversammlung des Akademischen Vereins „Kyrill und Method“ willkommen heißen. Wir waren gerade für ein paar Sekunden in Sofia auf dem Alexander Newski Platz und haben die Glocken des Doms festlich klingen hören. Und wir haben die Glückwunschworte „Viele Jahre“ gehört, die die Bulgaren bei einem Neuanfang traditionell begleiten. „Viele Jahre“ wünscht man einander in Bulgarien zum Jahresbeginn. zum Volltext 

Vortrag von Herrn Vassil Krastev vom 23.05.2003 Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Freunde Bulgariens, Liebe Kommilitonen, für mich ist es eine ausserordentliche Ehre, einen Vortrag vor den Mitgliedern und den Gästen eines Vereins zu halten, der eine fast neunzig jührige Geschichte hat und in dem so viele Professoren und Doktoren der Universität Karlsruhe als Ehrenmitglieder präsent sind. Nicht nur wir, die heutigen bulgarischen Studenten in Karlsruhe und ganz Deutschland hatten den Traum von einem Universitätsabschluss in Westeuropa. Viele unserer Grosseltern aus dem kleinen und sich schnell entwickelnden Bulgarien Anfang des 20. Jahrhunderts gingen damals in das moderne und industrielle Deutschland, um Wissen und Erfahrung in den dortigen Hochschulen und Universitäten zu sammeln. Ihr Wunsch, unser Land als einen hochentwickelten, prosperierenden und zu der europäischen Familie gehörenden Staat zu sehen, hat mehrere von ihnen auch hier nach Karlsruhe gebracht.
Einer von diesen mutigen und zielstrebigen Bulgaren war der am 29.April 1921 in Plovdiv geborene Nikola Spassov Dimitrov. Auf Studien der Mathematik und Physik in Sofia folgten Studien des Bauingenieurwesens an der Technischen Universität Berlin- Charlottenburg und den Technischen Hochschulen in Breslau, München und Karlsruhe. Nach exzellenten Abschlüssen wurde Nikola Dimitrov als Mitarbeiter des Instituts für Boden und Stahlbeton der TH Karlsruhe schon früh mit der statisch-konstruktiven Bearbeitung und Prüfung vieler schwieriger Ingenieurkonstruktionen betraut. Hierzu zählen beispielsweise die Schwarzwaldhalle in Karlsruhe, das "Atomei" in München- Garching und die Kinzigbrücke bei Offenburg. Seiner Dissertation über "Beiträge zu den theoretischen Grundlagen der Verformungstheorie" vom 1949 an der Universität Karlsruhe folgte seine Habilitationsschrift über "Balken und Platte als Grundkörper". Aus seiner wissenschaftlichen Vita besonders erwähnt sei darüber hinaus seine Arbeit über "Operatorenrechnung und ihre Anwendung auf die Baustatik", für die er 1965 mit dem Freudenberg-Preis der Universität Karlsruhe ausgezeichnet wurde. Mit Vorlesungen über Baustatik, die er auch vor Architekten hielt, unterstrich er schon früh sein Plädoyer für eine enge Zusammenarbeit zwischen Architekten und Bauingenieuren und für mehr gegenseitiges Verständnis. Dimitrov wurde im Jahre 1970 zunächst als Lehrstuhlvertreter und seit 1971 als Ordinarius und Direktor des Instituts für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen an die Universität Stuttgart berufen. Ьber mehr als 17 Jahre, von 1971 bis 1988, leitet er mit seinem, bei Studenten und Mitarbeitern, geschützten, kraftvollen Arbeitsstil sein Institut. Aus Anlass seiner Emeritierung wird Prof. Dr. -Ing. Dr. h.c. Nikola Dimitrov die Werner- Heisenberg- Medaille in Silber der Alexander von Humboldt - Stiftung verliehen. In der Urkunde wird Prof. Dimitrov als Brückenbauer zwischen zwei Nationen, Bulgarien und Deutschland, Förderer der internationalen Verbindungen der Wissenschaft, Müzen und ehemaliger Forschungsstipendiat bezeichnet. 


Laut Mitteilung der Pressestelle der Universität Stuttgart verstarb Prof. Dimitrov am 03. Juli 1997 im 76. Lebensjahr. Nikola Spassov Dimitrov hat für die Wissenschaft, Lehre und Praxis in seinem Fachgebiet vieles bewirkt. Unsere Aufgabe als seine Nachfolger ist es, die von ihm erbauten Brücken zu erhalten und weitere zwischen unseren beiden Nationen zu errichten. Im Lebenslauf zu seiner Doktorarbeit vom 1949 lesen wir, dass er seit 1947 Vorsitzender des im Jahre 1914 gegründeten Bulgarischen Akademischen Verein in Karlsruhe war und auf Empfehlung des Ausländeramtes der T.H. und nach freier Wahl beim AStA auch Vertreter der ausländischen Studierenden. Für mich persönlich und vielleicht auch für Sie Liebe Vereinsmitglieder ist es erstaunlich und unglaublich, dass es am Anfang des vorigen Jahrhunderts die Studenten aus unserem kleinen und jungen dritten Bulgarischen Staat einen Akademischen Verein in Karlsruhe gründeten. Eine natürliche Frage in dem Falle ist "Wie viel waren sie?" Leider haben wir (Diliana Teodossieva, Slavi Stoichev und ich) keine Spuren von diesem Verein in den Akten des Handelsregisters beim Amtsgericht Karlsruhe gefunden. In den Akten vom AStA konnten wir wieder nichts finden. Meine Aufgabe war zusätzlich von der Tatsache erschwert, dass ein grosser Teil der Dokumentation des AStA durch einen Brand im Jahre 1977 vernichtet wurde.
|